Angelträume in Australien

Oder Unterwegs mit Malcolm Douglas

Hin und wieder erinnert man sich unverhofft an Helden aus der Jugend. Mit geht das jedenfalls so und zwar seit ein paar Wochen wieder mal akut. Doch es ist nicht das A-Team, dass mich tagträumen lässt, auch nicht Colt Seavers oder das Trio mit vier Fäusten – ich bin zur Zeit voll und ganz im Malcolm Douglas Fieber. Malcolm wer? Sagt bloß, euch sagt der Name Malcolm Douglas nichts? Eine krasse Bildungslücke, liebe Leser!

Eine australische Legende

Der Herr Douglas ist ein weißbärtiger, richtig uriger Australier, der sich in seinem Heimatland schon in den 70er Jahren durch seine Dokumentarfilme über die Tier- und Pflanzenwelt des Outback einen Namen schuf. Oder vielmehr muss es leider heißen, „war“. Douglas verstarb im Jahre 2010, nach dem er in einem seiner Wilderness Parks auf mysteriöse Weise ohne Fremdeinwirkung zwischen seiner Autotür und einem Baum zerquetscht wurde. Das ist sehr bedauerlich, hat der alte Haudegen doch in seinem spannenden Reportagen sonst noch jede Widrigkeit überlebt. Von ihm haben wir gelernt, dass der im australischen Hinterland stecken gebliebene Autofahrer neben eigenen Wasservorräten für den Notfall auch noch das Kühlwasser seines Wagens trinken kann. Malcolm Douglas lehrte den staunenden Zuschauer, wie sich der festgefahrene Landcruiser mittels einer Art Riesenluftballons selbst aus der Sandwehe oder dem Salzseeschlamm herausheben kann. Dazu wird der Schlauch zum Ballonwagenheber am Auspuff des Gefährts befestigt und bei laufendem Motor mit Abgasen gefüllt, bis die Räder der Vorderachse wieder manövrierfähig sind oder dem Gefährt ein greifender Untergrund unter die Räder geschoben werden konnte. Seit wir Malcolm Douglas bei seinen Abenteuern am Bildschirm verfolgt haben, entzünden wir den Grill ausschließlich per Kurzschluss der Autobatteriekontakte. Ach, was heißt hier Grill, ich meine natürlich das Feuer im heißen Wüstensandloch, in dessen Glut wir anschließend das erlegte Wallaby im Ganzen samt Fell vergraben, um es mit heißem Sand zu verdecken. Schon nach wenigen Stunden ist das gute Stück gar und wir garnieren es mit grünen Riesenameisen, die wohl süßlich schmecken sollen, wenn ich mich recht entsinne.

„Unterwegs mit Malcolm Douglas“ hieß die Erfolgsserie, die seit Anfang der 2000er Jahre auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Herr Douglas hatte nicht nur spektakuläre Überlebenstricks für’s Outback parat, er galt auch als ausgesprochener Krokodilexperte, der sich sein Wissen über die Tiere zunächst als Jäger, später dann als Artenschützer angeeignet hatte. Spiegel Online bezeichnet Douglas gar als das Vorbild für die Filmfigur „Crocodile Dundee“ (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,719116,00.html).

Malcolm und die Barramundis

Die umfangreichen Abenteuer und Reisen des Malcolm Douglas auf dem australischen Kontinent allein sind aber nicht der Grund für diesen Artikel. Neben dem Fangen von Leistenkrokodilen und der Erkundung einsamer, verborgener Wildnisregionen erklärte Malcolm auch stets, wie er sich im Busch ernährte. Dazu fing er in vielen Serien, meist so ganz nebenbei, Fische. Fast immer hatte er es auf den Barramundi abgesehen. Douglas liebte es, dem Zuschauer zu demonstrieren, wie mühelos und einfach er die kapitalsten Burschen aus dem Fluss zerrte. Selbstverständlich begnügte sich ein Buschmann wie er nicht mit gewöhnlichen Ködern. In der Regel bastelte er selbst irgendwelche Kunstköder, zum Beispiel aus einem Stück Alufolie, und setzte sie als Blinker ein. Wieviele Versuche während des Drehs wirklich gebraucht wurden, hat man leider nie erfahren. Dem Zuschauer gegenüber wurde stets der Eindruck erweckt, man bräuchte nur irgend etwas glitzerndes ins Wasser werfen, schon stürtzten sich die „Barras“ darauf wie bekloppt.

Diese Angelsessions haben bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen. Seit dem ersten Barramundi, den Douglas auch auf deutschen Mattscheiben aus dem Gewässer hievte, hat mich die australische Angelsucht gepackt.

Die Wurzeln des Australischen Traumes

Meine Begeisterung für die Reportagen von Malcolm Douglas ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass ich seit Kindesbeinen ohnehin eine stark ausgeprägte Affinität zu Australien habe. Eine Schwester meiner Großmutter war in den 1950er Jahren nach Australien ausgewandert und lebte seit ich denken kann im schönen Melbourne. Für uns DDR-Kinder blieb es zunächst ein unerfüllbarer Wunschtraum, diese Seite der Erde jemals zu Gesicht zu bekommen. Meine Großtante besuchte uns etwa aller fünf Jahre und erzählte die tollsten Geschichten von ihren Reisen rund um den Kontinent. Da sie noch dazu eine großartige Frau war, inspirierend, weltgewandt, dabei aber extrem bescheiden, beschloss ich etwa im Alter von neun Jahren, dass ich sie in Australien unbedingt besuchen muss. Zehn Jahre später, wir hatten inzwischen die Berliner und auch die gesamtdeutsche Mauer eingerissen, reisten meine Familie und ich tatsächlich nach Down Under und besuchten unsere verehrte Tante zum ersten Mal in ihrer selbst gewählten Heimat. Bei dieser ersten Reise sollte es nicht bleiben. Drei Jahre später folgte die zweite Familienreise und noch einmal rund anderthalb Jahre später, verbrachte ich viele schöne Monate als Student in Oz.

Let’s go Fishing, Mate!

Bei meinen Reisen auf den fünften Kontinent lernte ich, dass es Nationen gibt, bei denen das Angeln zum Freizeitalltag dazugehört wie in Deutschland das Autowaschen oder Rasen mähen. Fast jeder Aussie mit dem man ins Gespräch kommt, erzählt einem früher oder später von seinen letzten Anglererfolgen. Zumindest kennt er einen Nachbarn oder einen Cousin, der spektakuläre Angelerfolge vorzuweisen hat. Auch im kleinsten Nest an Australiens Küsten gibt es mindestens einen Angelshop. Nicht selten bieten auch Tankstellen tiefgefrorene Köder zum Verkauf, damit der geneigte Freizeitfischer jederzeit den Haken bestücken und auswerfen kann.

Hier wird man nicht als sonderlicher Kauz schief angeschaut, wenn man von seiner Liebe zur Angelfischerei erzählt. Im Gegenteil, man wird kritisch beäugt, wenn man nicht angelt. Klingt wie das Paradies? Nunja, zumindest nahe dran.

Zur Zeit habe ich das große Glück, wieder mal einige Monate auf diesem geheimnisvollen Kontinent verbringen zu können. Wie man dazu kommt, ist schnell erklärt. Sorgt für Nachwuchs (das kann in Deutschland sowieso nichts schaden) und nutzt einen Teil der Elternzeit mit eurer Partnerin oder eurem Partner und natürlich dem kleinen Wurm, um als kleine Familie viel Zeit füreinander zu haben. Und natürlich auch ein bisschen Zeit zum Fischen. Nun sitze ich also im herbstlichen Melbourne und plane meine ersten Angelausflüge. Soll ich mit der Spinnrute auf Forellenjagd gehen in den Flüssen Victorias? Oder soll ich doch lieber eine Bootstour in die Port Phillip Bay unternehmen und auf prächtige Snapper hoffen? Vielleicht versuche ich’s auch erstmal einfach am Strand von Südmelbourne von einer der praktischen Anlegestege aus?

Information ist alles

Ich brauche Informationen. Zum Glück gibt es davon reichlich. Im lokalen Fernsehen buhlen Sendungen wie „That’s Fishing“ oder „Extreme Fishing“ um die Gunst der Zuschauer. In der letzten Folge von „That’s Fishing“ haben der Autor Brian Sanders und sein Kumpel Eric Morgan eine Sendung lang fantastische Snapper aus dem Meer gefischt. Allerdings war das Wetter am Drehtag bescheiden, die beiden wurden komplett eingeregnet. Aber gut, Kerle wie Malcolm Douglas oder Brian Sanders haut ein bisschen Regen und stürmische See nicht so schnell aus dem Sattel. Soll mich also auch nicht hindern, so eine Tour mal ins Auge zu fassen.

Was gibt’s noch für Infoquellen? Richtig, Zeitschriften. Zeitschriftenläden sind für mich ja fast wie Angelshops. Ich könnte Stunden in Zeitschriftenläden verbringen und dabei natürlich auch tonnenweise Zeitschriften kaufen. Was es nicht alles Interessantes gibt: Outdoorzeitschriften, Biker-Lektüre, Reise- und Expeditionsberichte, Neues aus Wissenschaft und Forschung, Fußballgazetten, Fachmagazine für Webworker (bin ich ja auch mit ANGELNaktuell.de), Wander- oder Neudeutsch Hiking-Zeitschriften und nicht zuletzt natürlich jede Menge Angelmagazine. Ich werde mich also in den nächsten Tagen selbstlos in die Melbourner Zeitschriftenkioskosphäre stürzen und Ausschau nach den australischen Pendants zu „Blinker“, „Rute & Rolle“ oder „Esox“ halten. Mal schauen, was den die australische Fachpresse so beschäftigt. Vielleicht bietet es sich an, dass ich ein paar Publikationen hier auf ANGELNaktuell.de vorstelle. Drückt mir die Daumen, dass ich nicht Amokkaufe…

Auf geht’s

Ich sitze also auf heißen Kohlen und fiebere meinem ersten Angelausflug der diesjährigen Australienreise entgegen. Um nicht wild drauf los zu stürzen und unnötig Zeit an falschen Angelstellen mit der falschen Taktik zu verplempern, werde ich mir in den kommenden Tagen ein paar Informationen zur aktuellen Angelsaison und viel versprechenden Angelgründen besorgen. Danach heißt es, die Ausrüstung zu vervollständigen. Ich habe aus Deutschland nur zwei Rollen und ein paar Kunstköder mitgebracht. Den Rest muss ich mir hier vor Ort besorgen. Das heißt, es warten spannende Tage voller Vorfreude auf mich inklusive Studium einheimischer Angelliteratur sowie Beratung und Einkauf von Ausrüstung in hiesigen Angelshops. Nicht zuletzt muss ich mich natürlich noch schlau machen, welche Art von Lizenz man zum Fischen hier braucht und woher man die bekommt. Bleibt neugierig, ich werde euch auf diesen Seiten berichten, wie mein Traum vom Fischen in Down Under auf den Spuren des legendären Malcolm Douglas weiter geht.

In diesem Sinne

Petri Heil & Tight Lines!