Ein Mann, Ein Fluss, Ein Ozean

Über ein traumhaftes Angelrevier namens „Brunswick Heads“ in Norden von New South Wales

Nachdem ich nun schon einige Zeit in Down Under verbringe, musste ich feststellen, dass ich bisher noch nicht einmal Fische fangen war. Wie konnte das sein? Wo waren all die Träume von „Big Barra“ & Co. (http://www.angelnaktuell.de/Magazin/Angeltraum-Australien) geblieben? Achja, ich bin ja nicht alleine hier sondern mit meiner besseren Hälfte und unserem kleinen Sohn. Da mein Sohn noch ein Baby ist, hat er bisher noch keine Ambitionen erkennen lassen, dass das Angeln zu seinen bevorzugten Interessen gehören könnte. Vielmehr beschäftigt er sich ausgiebig mit seinen Füßen, pädagogisch wertvollem (Pappbuch über die Laute australischer Tiere) oder weniger wertvollem (ein roter Plastikbecher) Spielgerät, Mamas Haaren oder Papas Bart. Wenn er das nicht tut, lässt er sich seine frisch zubereitete Nahrung aus biodynamisch angebautem Gemüse oder Mamas Tankstation munden oder sich von den Verdauungsrückständen eben dieser Produkte befreien. Mit Vorliebe lässt er sich durch die Gegend tragen oder unternimmt in seinem schicken Allzwegkinderwagen Exkursionen aller Art. Und so lernte ich spätesten während der letzten zweieinhalb Monate, dass die Elternzeit eine hochinteressante Zeit ist, die vor allem das Nervernkostüm stärkt und viele Gelegenheiten für Achtsamkeitsübungen bietet. Nur mit einem entspannten Angelurlaub hat so eine Elternzeit recht wenig zu tun.

Jetzt geht’s los

Nachdem unser Sohn aber seit gestern seinen ersten Zahn durchschimmern lässt, muss ich mich als verantwortungsvoller Familienvater doch um was Richtiges zu beißen kümmern, oder? Wir haben den Bundesstaat Victoria vor einer Woche verlassen und befinden uns nun an der Ostküste des Kontinents im Norden des Bundesstaates New South Wales, kurz vor der Grenze zu Queensland. Hier im „Hinterland“, wie die Einheimischen in ihrer Sprache die Gegend etwas Abseits der direkten Küste nennen, liegt das idyllische Örtchen Mullumbimby – die größte kleine Stadt Australiens – was immer dieser Slogan auch bedeuten mag. Hier in „Mullum“ lebt noch der Geist der Hippiebewegung der späten 60er und der psychadelischen 70er Jahre fort. Die gesamte Region des Byron Shire zog vor rund 40 Jahren zahlreiche Querdenker, Aussteiger, selbsternannte Gurus und allerlei bunte Vögel an, die sich im Kommunenalltag und mit Zurück-zur-Natur-Attitüde sowie unter Zuhilfenahme der interessantesten pflanzlichen und chemischen Substanzen den Lehren indischer Weiser und andere alternativer Lebensformen widmeten.

Nach der Hektik der Großstadt haben wir nun Quartier bezogen in einem großen Holzbungalow auf einem Grundstück etwa einen Kilometer außerhalb des Dörfchens. Anna, unsere Vermieterin, ist vor 30 Jahren aus Nottingham, der Heimat Robin Hoods, nach Australien aufgebrochen, um sich nach einem aufreibenden Leben als Inhaberin einer Werbeagentur nun der Heilung von Menschen zu widmen. Voller Vorfreude habe ich schon in den ersten Tagen die Gegend erkundigt. Von Westen nach Osten fließt ein kleiner Fluss namens Brunswick River. Kurz vor seiner Mündung in den Pazifischen Ozean wird er von zwei Armen gespeist, dem nördlichen Marshalls Creek und dem südlichen Simpsons Creek. Allein die Konstellation Fluss, Flussarme, Meeresmündung verspricht den Anglerhimmel auf Erden. Nun gilt es nur noch herauszufinden, ob und wie die Hotspots erreichbar sind. Eine erste Expedition zur Mündung enthüllte, dass der Angelgott oder vielleicht auch die lokale Verwaltung sich einst barmherzig zeigte und in strategisch günstigen Positionen an den Flussarmen und der Mündung selbst Steinwälle aufschüttete. Auf diesen tummelten sich auch schon die ersten Freizeitfischer. Ich habe die Angewohnheit, sofort auf Gerätschaften, Montagen und Köder zu schielen, sobald ich Angler an mir fremden Fischgründen erblicke. Nicht, dass ich von der Fülle an Angelausrüstung und Zubehör besonders viel Ahnung hätte. Vermutlich sucht mein Unterbewusstsein nach Hinweisen, was speziell für dieses Angelrevier für Material und Taktiken empfehlenswert scheinen. Mein erster Blick erhaschte ein merkwürdiges Angelgerät, dass fast alle von ihnen benutzten. Von Weitem vermutete ich eine Art Riesenfliegenrute. Aus der Nähe betrachtet handelte es sich tatsächlich aber um herkömmliche Angelruten, ziemlich lang und vor allem mit monströsen Rollen ausgestattet, die mich eher an das Magazin der legendären Thompson Sub Machine Gun erinnerten. Wer kennt sie nicht, die liebevoll Chicago-Typewriter genannte Knarre, die schon Al Capone und Konsorten zu Zeiten der Prohibition in den Staaten ihre teuflischen Dienste erwies. Noch nie gehört? Sag bloß, du hast nie „Mafia“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Mafia_%28Computerspiel%29) gespielt…?


Die Einheimischen Angler, im Aussie-Slang „fishos“ genannt, suchten sich ihre Plätzchen in unregelmäßigen Abständen auf den beiden Hauptsteinwällen, die das nördliche und das südliche Ufer der Flussmündung ca. 200m in den Ozean verlängern. Offenbar begann gerade die Flut, denn der Brunswick River ist ein „tidal river“. Die Leute verwendeten vorwiegend natürliche Köder wie Tintenfisch, Krabben oder Garneelen, die sie in einer simplen Grundmontage mit ca. 50 Zentimeter Vorfach in Richtung Flussmündung auswarfen. Kaum einer probierte sich in die andere Richtung der Mauern im „offenen Meer“ aus.

Angelregeln in New South Wales

„Aus Deutschland?“, fragte mich Brian, der kauzige Besitzer des einzigen Angelgeschäftes in Brunswick Heads, der 1.300-Seelen-Gemeinde, die um die Flussmündung herum entstanden ist, „ihr habt doch die verrücktesten Angellizenzbestimmungen weltweit.“ Ich gab ihm Recht, schließlich ist mir kein Land bekannt, dass ähnlich strenge Regelungen für die private Hobbyangelei geltend macht, wie die deutschen Bundesländer. „Hier in New South Wales kaufst du dir einfach eine Lizenz und kannst damit an sämtlichen Gewässern inklusive Ozean fischen gehen. Ausnahmen wie Schutzgebiete sind durch entsprechende Hinweistafeln gekennzeichnet.“ Die Lizenz kostet AUD6,00 für drei Tage, AUD12,00 für einen Monat, AUD30,00 für ein ganzes Jahr oder AUD75,00 für drei Jahre (http://www.dpi.nsw.gov.au/fisheries/recreational/licence-fee). Die Quittung des Einkaufs ist gleichzeitig das Beweisdokument, dass du ab sofort beim Angeln am Mann oder an der Frau haben solltest. Im Falle einer Kontrolle durch autorisierte ersonen muss die Quittung vorgezeigt werden, anderen Falls hagelt es empfindliche Geldstrafen. Bei solch traumhaften Preisen schlug ich sofort zu und genehmigte mir eine Lizenz für einen Monat. Zum Dank dafür musste Brian mir noch die Hotspots verraten. Da ich mit Kunstködern und dabei vor allem mit Gummiködern auf die Jagd gehen wollte, empfahl mir der Ladenchef die in der Skizze markierten Angelplätze.

Steinwälle, Sandbänke und tückische „Schlangen“


Jedem, der eines Tages in die Verlegenheit kommen sollte, in der Byron Bay Area Angeln zu gehen, seien die markierten Standorte empfohlen. Die zwei orangefarbenen Striche zeigen die beiden großen Steinwälle an Nord- und Südufer der verlängerten Flussmündung. Hier versammelt sich täglich die größte Anzahl an Anglern. Dennoch bleibt stets genügend Raum, um selbst einen schönen Standplatz zu finden. Die roten Kreuze markieren diejenigen Uferstandorte, die Angelshopbesitzer Brian mir für das Fischen mit Gummiködern empfohlen hatte.

Die ersten Versuche startete ich auf der südlichen Mündungsmauer. Sie ist bequem mit dem Auto zu erreichen, ein Parkplatz findet sich direkt hinter den Dünen. Zunächst kam ich mir mit meiner 2,10m Allzweckangel und meiner Shad-Montage etwas verloren vor zwischen all den einheimischen Fischern mit ihren riesigen „Thompson-Gun“-Ruten. Nach ein paar ersten zaghaften Auswurf-Einhol-Kombinationen, die mir ohne Hänger und Perückenschnur gelangen, stieg mein Selbstbewusstsein aber allmählich. Ich weiß nicht, wie es euch geht, ich fühle mich in fremden Umgebungen, vor allem in fernen Ländern beim Angeln zwischen Einheimischen zu Beginn immer etwas unsicher. Wie sich bisher fast immer herausstellte, ist dieses Gefühl stets unbegründet. Dennoch bleibt es mir ein verlässlicher Begleiter. So anmutig mir meine Wurfversuche auch gelangen, sie waren nicht von Erfolg gekrönt. Nach einer Stunde ohne einen einzigen Biss wechselte ich den Standort und versuchte mich auf einer kleinen Steinmauer, die mitten im Mündungsbecken liegt (Standort 3 in der Skizze). Erfreulicher Weise fand ich dort auch nur einen einzigen weiteren Mitstreiter vor, so dass die benötigte Bewegungsfreiheit für’s Spinnangeln gesichert war. Nach kurzer Zeit brach auch dieser Angelfreund auf. Ich fragte ihn nach seinem heutigen Anglerglück und er antwortete mir im breitesten Aussie-Akzent „Too many snakes out there, mate!“. Wie bitte?! Ein waschechter Aussie räumt das Feld wegen zu vieler Schlangen? Vorstellen konnte ich mir das sehr gut, schließlich ist der nahe Dünenbereich ein Paradies für Reptilien. Sofort schoss mir das Warnschild wieder vor mein geistiges Auge, das ein paar Kilometer weiter nördlich an einem Strand auf Schlangen am Strand und Umgebung hinwies. Und nun tummelten sich diese beinlosen Echsen in der Abendsonne zwischen den aufgeschichteten Felsblöcken und warten darauf, dem achtlosen Angler beim Griff zur liegenden Angel in die Hand zu beißen? Acht der zehn giftigsten Schlangenarten der Welt leben in Australien. Glaubt mir, diese trockene Ansage des alten Haudegen ließ mich an der Wahl meines neuen Standortes mächtig zweifeln. Ich wagte noch drei, vier schnelle Würfe und blickte wie ein gehetztes Reh um mich herum, um keiner Brown Snake versehentlich auf den Schwanz zu treten. Dann erklärte ich den ersten Angelabend in diesen Gefilden für beendet und verbuchte sagenhafte Null Bisse.

Angler auf der südlichen Steinmauer mit Blick auf den nördlichen Wall

Ich hielt es natürlich nur einen Tag ohne Angeln aus und fand mich schon am übernächsten Tag erneut dabei, um die Steinmauern herum zu schleichen. Die kleine Mauer mitten in der Mündung hatte es mir angetan. War die Strömung von der großen südlichen Steinmauer aus doch etwas zu stark für meine Montage (1/4 Unze = 7g Jighead + 12cm Shad), so konnte ich von dieser kleinen Mauer aus ruhigere Bereiche erreichen und befand mich dennoch mitten in der Mündung. Hier musste es doch nur so wimmeln vor allerlei Unterwasserräubern, die arglosen Strömungsopfern aus dem Fluss oder dem Ozean (je nach Gezeitenverlauf) auflauerten. Wenn nur diese verfluchten Schlangen nicht wären. Versteht mich bitte nicht falsch, ich bin ein Freund aller Kreaturen unserer Erde. Allerdings fehlt mir das angeborene Gespür für diese teilweise außerordentlich giftigen Vertreter, so dass ich mich im Bewusstsein ihrer nahen Anwesenheit nicht so recht frei und ungezwungen bewegen konnte, wie man das beim Spinnfischen vom Ufer aus für gewöhnlich tut. Natürlich beißt die Schlange nur, wenn sie sich bedroht oder in die Enge getrieben fühlt. Und eben dies habe ich keineswegs vor. Aber wie schnell übersieht man sie zwischen Felsspalten oder im hohen Gras oder Gebüsch. Andererseits traf ich an dieser Stelle diesmal drei weitere Angler an. Einer hatte seine Kinder mitgebracht, die barfuß über die Felsblöcke kletterten. Entweder ein Verrückter – oder er weiß mehr als ich. Ich ließ mich durch die Anwesenheit weiterer Leute also ermutigen und bezog wieder Stellung auf einem vielversprechenden Stein. Plötzlich fluchte mein Standortnachbar wie von der Tarantel gestochen (oder brown snake gebissen?) und ich sah ihn im Augenwinkel mit einem heimtückischen Hänger kämpfen. Kurze Zeit später verankerte auch ich meinen Jighead fachmännisch in einer Gesteinsspalte, die unter der Wasseroberfläche nicht sichtbar waren. Trotz allerlei ulkiger Verrenkungen konnte ich den Gummiköder nicht mehr retten. Als mich der Nachbar nun meinerseits mit einem Hänger ringen sah, rief er mir aufmunternd zu „Yeah, I’ve had many snags here too, mate!“. Ich versuchte ein gelassenes „Yeah, no worries, mate“ und plötzlich schoss es mir durchs Gehirn: Er hatte auch schon viele „snags“ hier. Und ich hatte gerade einen „snag“ – einen Hänger demnach. Keine „snake“! Herzlichen Glückwunsch, Herr Oberanglist. Der Angler vom anderen Tag verließ diese Stelle, weil er zu viele Hänger hatte, nicht weil es zu viele Schlangen gab. Ich lachte kurz laut und freute mich anschließend über meine Übersetzungsschwäche. Wenigstens konnte ich mich nun befreiter in diesem Gelände bewegen. Denn eine Schlange hatte ich dort bisher noch nicht gesehen. Der Vollständigkeit halber sei dennoch darauf hingewiesen, dass es in der Gegend sowohl im Dünenbereich als auch am Strand tatsächlich zu Begegnungen mit Schlangen kommen kann. Ein wachsames Auge ist also stets ratsam.

Das Material

Obwohl ich mich ab sofort wieder voll auf’s Angeln konzentrieren konnte, sollte ich auch am zweiten Tag keinen einzigen Biss verbuchen. Richtig gelesen, ich fing nicht nur keinen Fisch, ich hatte noch dazu Null Bisse bis dahin. Nun muss ich an dieser Stelle beichten, dass ich ein blutiger Gummiköderanfänger bin. Zwar bin ich ob der idyllischen Vorerzgebirgslage meiner Heimatstadt Chemnitz als Spinnfischer in unseren Flüssen auf Forellenjagd unterwegs. Allerdings zählten bisher Blinker und Wobbler zu meinen bevorzugten Kunstködern. Ab und an habe ich auch einen Gummifisch auf den Jighaken gezogen, aber gefangen habe ich damit bisher noch nichts. Das soll sich ändern, weswegen ich mir die Mission auferlegt habe, meine Gummiköder-Kenntnisse und -fähigkeiten auszubauen. Ich verwendete zwei Gummifischtypen, einen rund 13 cm langen Paddelschwanz-Gummifisch (in Deutschland oft „Shad“ genannt) und einen 12 cm langen Gummifisch mit Gabelschwanz, wobei die beiden Enden der Gabel verbunden sind. Beide Gummiköder sind in naturnahen Farben gehalten mit dunkleren, grünlich-grauen Rücken und hellen, silbrig-weißen Bauchseiten. Als Jigheads kommen 1/8 Unzen (3,5g) oder 1/4 (7g) Unzen Bleiköpfe zum Einsatz in Pyramiden- oder Patronenform.

Die besseren Fischer

Mittlerweile habe ich es auf sieben mehr oder weniger ausgedehnte Angelnachmittage und -abende in Brunswick Heads gebracht. An Angeltouren in den Morgen- und Vormittagsstunden ist nicht zu denken, denn diese Zeit beansprucht mein kleiner Sohn für seine Pflege und Unterhaltung. Aufgrund des Breitengrades und der Jahreszeit enden die Tage mit Sonnenuntergängen gegen 17:40 Uhr schon sehr früh. Ich bringe es im Durchschnitt auf anderthalb bis drei Angelstunden am Stück. So gesehen relativiert sich die effektive Angelzeit wieder. Doch warum diese Betrachtung? Nun, ich muss galante Ausreden finden, wieso dieser Beitrag nicht mit den obligatorischen Fangbildern trophäengleich geschmückt ist. Na, dann mal los… Die schuppigen Wasserbewohner scheinen sehr auf die Gezeiten fixiert zu sein. Ich kann mich danach leider nicht richten sondern muss die mir zur Verfügung stehende Zeit nutzen – egal ob gerade Ebbe ist oder die Flut in ihrer höchsten Ausdehnung rauscht. Ich bin überzeugt davon, dass sowohl der Brunswick River als auch das Brackwasser und der Ozean sehr reich an Fischen sind. Allerdings scheint auch ein nicht zu verachtender Angeldruck zu herrschen. Wann immer ich einen der Standorte aufsuchte, fanden sich entweder bereits Angler dort oder kamen nach kurzer Zeit hinzu. Kein Wunder, dass die begehrten Fische wie Flathead, Mangrove Jack oder diverse Barsche sehr misstrauisch und vorsichtig geworden sind.

Und wir Freizeitfischer sind nicht die einzigen, die den geschuppten Wasserbewohnern nachstellen. Während meiner Angelsessions rund um Brunswick Heads habe ich mehr als einmal die Spinnrute aus der Hand gelegt, um Kormoran, Pelikan oder Fischadler bei der Jagd oder Nahrungssuche zu beobachten. Diese Gesellen stellen sich deutlich geschickter an als wir mit unseren Ruten. Fairerweise muss man erwähnen, dass sich so ein Gewässer aus der Vogelperspektive viel besser lesen lässt. Ob Fisch fangende Vögel polarisierende Linsen haben? Stellt euch mal vor, ihr könntet über euer Lieblingsgewässer fliegen und in aller Ruhe die Standorte eurer Zielfische mit bloßem Auge erkennen.

Noch mehr Begleiter

Neben den fliegenden Fischjägern bekam ich beim Angeln auch Besuch von Meeresschildkröten, die sehr bedächtig ohne Hektik bis nah ans Ufer geschwommen kamen. Ein anderes Mal tauchte aus der Tiefe des Flusses urplötzlich ein mittelgroßer Rochen auf und schwebte mit majestätischen Flossenbewegungen zum Greifen nah an meinem Standort vorbei flussaufwärts. Und Brunswick Heads ist immer für eine Überraschung gut. Zuerst entdeckten wir bei einem Strandspaziergang eine dunkle Rückenflosse kurz in der schäumenden Brandung. Was war das? Ein Hai? Oder eine optische Täuschung? Angestrengt schaute ich aufs Meer und wartete. Da war sie wieder. Plötzlich aufgetaucht und sofort wieder verschwunden. Da, noch eine, zwei… fünf. Sie schienen regelrecht auf den Wellen zu reiten, vielleicht 30m vom Strand entfernt. Jetzt war ich mir sicher, das waren Delfine, die sich mit uns parallel zur Küstenlinie bewegten. Nach einer Viertelstunde entschwanden sie unserem Sichtfeld. Doch zur Krönung dieses schönen Tages tauchte kurz vor Sonnenuntergang ein einzelner Delfin in der Flussmündung auf, während ich von meiner kleinen „Snake“-Mauer aus noch ein paar Gummifischwürfe übte. Ich stand in diesem Augenblick ganz allein auf dem kleinen Steinwall (Nummer 3, siehe Skizze oben) und schaute Flipper dabei zu, wie er in aller Ruhe seine Runden im Mündungsbereich des Flusses drehte. Kurz schien es mir, dass er mir beim Auftauchen in die Augen blickte. Wollte er mich voller Stolz auf die Einzigartigkeit seiner Heimat aufmerksam machen? Ein ergreifendes Schauspiel, das jeden noch so fangarmen Angelausflug rechtfertigt. Leider gelangen mir in der Eile nur ein paar wackelige Handyfotos und eine kurze Filmaufnahme, die ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte.

Gibt’s keine Fangbilder?

Ich habe verschiedene Standorte rund um Brunswick Heads mehrere Male beangelt. Große Fänge kann ich leider nicht vorweisen. Versehentlich blieben neugierige Mullets an meinem Haken hängen. Zwei, drei größere Flatheads konnte ich nicht landen. Ich verlor sie an Felsspalten oder anderen Hindernissen unter der Wasseroberfläche. Somit wird dieser Beitrag wohl der erste Angelbericht im weltweiten Netz werden, der keine Fangerfolge präsentiert. Dennoch oder gerade deshalb möchte ich ihn hier veröffentlichen, denn er dokumentiert „das wahre Anglerleben“ in meinen Augen sehr authentisch. Angelausflüge müssen keineswegs von (Fang-)Erfolg gekrönt sein. Vielmehr gilt in meinem speziellen Fall, dass weit über die Hälfte aller meiner Angelausflüge in unbekannten Gewässern ohne Erfolgsmeldung bleiben. Das ist bei mir quasi die Regel. Zwar gehe ich davon aus, dass diese Quote mit wachsender Erfahrung besser wird. Doch das soll nicht mein erklärtes Ziel sein. Ich habe aber wundervolle Stunden am Fluss und am Meer verbracht, begleitet von leuchtenden Regenbögen, stürmischer Brandung und tiefrot hinter den Bergen versinkender Sonne. Die Stimmung dieser tollen Landschaft wird noch verstärkt durch ein stimmgewaltiges Vogekonzert, dass es kostenlos spätenstens ab Einsetzen der Dämmerung zu hören gibt. Rochen, Schildkröten, Delfine, Pelikane, Fischadler, Austernfischer, Brachvögel und jede Menge weiterer See- und Küstenvögel gehören hier zu den Überraschungsgästen oder ständigen Begleitern. Mehr als einmal habe ich die Rute aus der Hand gelegt, um Start- und Landemanöver der am Boden so behäbigen doch in der Luft so eleganten Pelikane zu bewundern oder den majestätischen Flug des Fischadlers zu bestaunen.

Wann immer ihr in die Verlegenheit geratet, an der Ostküste New South Wales etwas Zeit zu verbringen, seht zu, dass ihr in die Byron Bay Gegend reist und Brunswick Heads einen Besuch abstattet. Die Gegend hier ist auch im Winter mit einem recht milden Klima gesegnet. Neben viel versprechenden Angelgewässern gibt es im Küsten nahen subtropischen Regenwald, im hügeligen „Hinterland“ oder den oft alternativ geprägten Städtchen jede Menge zu entdecken, zu lernen und zu erleben.

In diesem Sinne Petri Heil aus Down Under. Ron.

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