Forellenangeln mit Spinnrute

Teil 1: Wie ich das Forellenangeln im Fluss erlernte und warum du das auch lernen kannst!

Mit diesem Artikel beginne ich eine kleine Artikelserie, die sich ausgiebig mit dem Thema „Forellenangeln mit Spinnrute“ beschäftigt. Ich möchte euch damit an meinen Erfahrungen teilhaben lassen und auch versuchen zu zeigen, dass das Spinnfischen auf Forellen kein Buch mit sieben Siegeln bleiben muss. Mein Ziel ist es, euch mit dieser Artikelserie die Art von Informationen zur Verfügung zu stellen, die ich mir gewünscht hätte, als ich mich mit dem Thema Forellenangeln im Fluss anfing zu beschäftigen. Leider fand ich keine vergleichbaren, praxisnahen Informationen im Netz, die auch ein kompletter Angelneuling wirklich anwenden konnte. Viel Spaß beim Lesen und ausprobieren. Natürlich freue ich mich über Feedback und eure Erfahrungen mit dem schwimmenden Silber unserer Flüsse. Am Ende jedes Artikels habt ihr die Möglichkeit, ausgiebig zu kommentieren und so andere Angelbegeisterte an euren Erfahrungen teilhaben zu lassen.

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Wie ich zum Spinnangeln kam

Mein Heimatland Sachsen hat einen großen Nachteil: es hat keine Meeresküste. Somit fallen sämtliche Angeldisziplinen, die irgendetwas mit Salzwasser zu tun haben, weg. Sachsen glänzt dafür mit einer Vielzahl an Steh- und Fließgewässern – so die amtliche Bezeichnung für unsere Teiche, Seen, Bäche und Flüsse. Im Frühjahr 2007, kurz nach meiner erfolgreich absolvierten Fischereischeinprüfung, beschäftigte mich die Frage, wie denn der Angelalltag in Sachsen am interessantesten zu gestalten wäre. Ich betrachtete mich damals nicht als den typischen Zielfischangler. Geangelt hatte ich bis dahin vor allem auf Auslandsreisen, wo die Angelfischerei nicht so streng reglementiert ist wie in Deutschland. An mir unbekannten Gewässern ahmte ich die Methoden nach, die von einheimischen Anglern vorgeführt wurden. So zog ich in meiner noch kurzen Anglerkarriere Weißfische wie Blei, Schleie oder Rotaugen an Land. Auch Barsche erfreuten sich ab und zu meiner dargebotenen Köder. An Meeresküsten und auf hoher See fing ich Hering, Dorschartige, Makreelen oder Snapper. Ich warf hauptsächlich einfache Grund- oder Posenmontagen aus und bestückte die Haken mit klassischen organischen Ködern vom Brotklumpen über Tauwürmer bis zu Shrimps. Beim Blättern in bunten Angelmagazinen oder bei Angelsendungen im TV faszinierten mich jedoch schon immer am meisten die Bilder von Spinnfischern, die durch gekonnte Führung ihrer Kunstköder wild kämpfende Raubfische überlisteten.

Aufgrund der konkreten Gewässerstrukturen Raum Chemnitz – Erzgebirge, es gibt überwiegend kleine bis mittelgroße Flüsse – musste ich mich als offizieller Neuangler besonders damit beschäftigen, welche Methoden der Flussangelei es gibt und welche Fischarten man in bestimmten Flussabschnitten fangen kann. All meine unbeholfenen Versuche, mit den wenigen von mir beherrschten Grundmontagen oder Posentechniken in unseren heimischen Flüssen Fische zu fangen, schlugen grandios fehl. Ich hatte nicht nur keinen Fangerfolg sondern kämpfte mit verhedderten Schnüren, abgerissenen Montagen oder auch nur mit passenden Zugängen zu Flussufern.

Erfreulicher Weise stellte sich heraus, dass große Abschnitte unserer einheimischen Flüsse der Forellenregion zuzuordnen sind. Forellen mochte ich irgendwie, sie sehen wunderschön aus und schmecken hervorragend. Die verschiedenen Flussabschnitte und ihre Leitfischarten kennt ihr aus dem Fischereischeinkurs. In meinem näheren Einzugsgebiet befinden sich die Forellenregionen von Flüssen wie Zschopau, Flöha, Chemnitz, Große und Kleine Striegis, Zwickauer und Freiberger Mulde, Schwarze Pockau oder Preßnitz. Aus einschlägiger Literatur wusste ich, dass man Forellen mit einer Technik namens „Spinnangeln“ fangen kann. So rüstete ich mich mit einer ersten Spinnrute aus und zog bewaffnet mit einem Bündel an Spinnern aus einem Lidl Anglerset an die Flüsse. Doch das Problem, passende Zugänge zu Flussufern zu finden, blieb bestehen. Zu oft standen Bäume oder Büsche im Weg, das Ufer war vor lauter Bewuchs nicht begehbar oder es war Teil eines Privatgrundstücks.

Eines Tages begegnete ich an einem Flüsschen namens Zwönitz einem Angelfreund, der im Gegensatz zu mir wusste, was er tat. Er trug hüfthohe Watstiefel mit Hosenträgern, einen leichten Käscher, der sich an den Hosenträgern befestigen ließ und stieg mit seiner leichten Spinnrute einfach ins Wasser. Freundlicher Weise ließ er mich auf dem Parkplatz seine bisherigen Tagesfänge sehen – eine stattliche Bachforelle und eine nicht minder stattliche Regenbogenforelle. Beide schätze ich im Nachhinein auf mindestens 45 Zentimeter Länge. Ich war beeindruckt und wusste in diesem Augenblick, was und wie ich in Zukunft angeln wollte: Spinnangeln auf Forelle – mit Watausrüstung.

Meine ersten Schritte zum Spinnfischer

Dafür waren Investitionen fällig. Die freundliche Fachverkäuferin im Angelshop meiner Wahl riet mir zur Neopren-Wathose statt zu den von mir nachgefragten Watstiefeln – es gäbe zu schnell Situationen, da einem das Wasser in die Stiefel schwappte. Mit meiner jetzigen Erfahrung gebe ich der netten Dame im Nachhinein gern Recht. Zudem musste eine Grundausstattung an forellentauglichen Spinnködern her.

Mein Entschluss stand fest. Ich wollte ab sofort meine Kenntnisse im Spinnangeln vertiefen oder um genau zu sein, ich wollte zunächst erstmal überhaupt welche erlangen. Passende Literatur musste her. Im nächsten Supermarkt wanderte die aktuelle Ausgabe des „Blinker“ in den Wagen. Bei Amazon schnell noch „Spinnfischen (Kunstköder, Techniken, Geräte, Zielfische)“ besorgt und einen Plan ausgearbeitet, welches Material noch zu besorgen war. Benötigen würde ich Folgendes:

  • seine leichte Spinnrute

  • eine ebenso leicht Rolle

  • passende Angelschnur

  • Kunstköder, vorerst sollten Spinner mir zu meinen ersten Fängen verhelfen.

  • irgendwie ein praktisches Gepäckstück, worin ich die notwendigsten Utensilien verstauen konnte.

Meine ersten Spinnfischen-Versuche hatte ich noch mit meiner Lidl-Teleskoprute aus dem Komplettset für 12,99 EUR gestartet. Das Ding musste bisher für sämtliche Angeltechniken herhalten, inklusive der Felsangelei an tosenden Meeresküsten. An dieser Stelle sei gesagt, dass sich diese Schnäppchenangebote für den Einsteiger durchaus lohnen. Die Ruten und Rollen, die die Discounter regelmäßig im Frühjahr feilbieten, eignen sich gut für die ersten Angelversuche. So kann man in Ruhe feststellen, ob man Gefallen am Fischen findet, ohne schon hunderte Euro in Ausrüstung investiert zu haben.

Nun war es aber an der Zeit, die erste richtige Spinnrute zu besorgen. Keine Zeit für Internetkäufe, ich wollte noch am gleichen Wochenende starten und begab mich in direkt in einen Angelshop. Die Auswahl an Spinnruten war erstaunlich dürftig. Ich glaube, eine Handvoll Ruten standen dort herum. Macht aber nichts, so fiel die Entscheidung leichter. Die technischen Daten wie Wurfgewicht und Rutenaktion sagten mir ohnehin recht wenig, also ließ ich den Verkäufer für mich entscheiden. Er sprach die weisen Worte, man müsse durch praktische Anwendung selbst herausfinden, welches Rutenmodell mit welcher Aktion und so weiter man bevorzugen würde. Es wurde eine Spinnrute von Balzer mit passender Rolle, die mir mit einer geeigneten dünnen Schnur gleich bespielt wurde. Dann gab es noch ein halbes Dutzend Spinner der Größen 2 und 3 jeweils silber- und goldfarben mit schicken roten Pünktchen auf dem Spinnerblatt.

Zu guter Letzt sah ich kurz vorm Verlassen des Ladens noch eine grüne Gürteltasche – im zivilen Leben ein absolutes NoGo. Doch am Fluss ist sowas schon praktisch, das muss ich sagen. Vor allem, nachdem ich feststellen musste, dass auch der leichteste Rucksack nach ein paar Stunden im Fluss wie magisch an Gewicht zulegt und letztlich auch in der Beweglichkeit einschränkt. Wenn es sich also vermeiden lässt, lasse ich den Rucksack zu Hause und stopfe alles Notwendige in meine schicke Gürteltasche. Ich war gerüstet, die Forellenfischerei konnte beginnen.

Ich startete mit simplen Spinnern und tatsächlich, nach einigen Tagen ohne Erfolg hatte ich die erste Bachforelle am Haken zappeln. Leider zu klein, so dass ich sie, selbstverständlich schonend, gehen lassen musste. Doch schon am nächsten Angeltag fiel die erste Bachforelle mit der richtigen Größe auf meine anfängerhaften Spinnversuche herein und ich wurde endgültig vom Forellenfieber gepackt.

Ausblick

In den nächsten Episoden möchte ich euch daran teilhaben lassen, welche Erfahrungen ich mit der Zeit sammeln konnte, welches Material sich bewährt hat und wie ich meine Technik kontinuierlich zu verbessern konnte. Es gibt jede Menge Literatur, Zeitschriften und Artikel über das Spinnangeln auf Forelle am Fluss. Aber meine Erfahrung ist, dass der Großteil dieser Literatur schon viel Erfahrung im Angeln voraussetzt. Als blutiger Anfänger, wie ich es war, steht man mit seinen Fragen oft allein da. Vor allem auch deswegen, weil einem die verwendeten Begriffe, Methoden und Materialien unbekannt sind. Nicht zuletzt hatte ich auch mit der speziellen, oftmals etwas gestelzt wirkenden Sprache der Angler immer wieder meine Schwierigkeiten. Ich versuche deshalb, in einfachen und verständlichen Worten zu erklären, wie man mit Spinnangel-Techniken Forellen im Fluss fängt. Ich möchte Euch zeigen, dass jeder mit dem Spinnfischen auf Forelle beginnen kann, auch wenn noch keine Erfahrung vorhanden ist. Irgendwann muss man schließlich anfangen, diese zu sammeln. Im ersten Teil meiner Artikelserie zum Forellenangeln im Fluss habe ich euch nun einen Einblick gegeben, wie ich mit diesem Thema in Berührung kam. Im zweiten Teil erfahrt Ihr mehr über unsere heimische Bachforelle, lernt ihren Speiseplan kennen und bekommt einen Einblick in Verhaltensweisen dieser schönen Tiere.

Wenn ihr ANGELNaktuell.de zu euren Lesezeichen hinzufügt, verpasst ihr die nächsten Teile auf keinen Fall. Und nicht vergessen: Ich freue mich über eure Kommentare.

In diesem Sinne: Petri Heil & Tight Lines!

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