Forellenangeln mit Spinnrute: Teil 4

Alles über Kunstköder, Taktik am Fluss und wie du Forellen sicher landest

In dieser Artikelserie schreibe ich über das Angeln mit Spinnrute und Kunstködern auf Forelle. Es ist bekannt, dass gerade große Bachforellen einer fetten Bienenmade oder einem leckeren Tauwurm nicht abgeneigt sind. Doch Lebendköder dieser Art sind zum einen in den als Salmonidenstrecken gekennzeichneten Flussabschnitten in Sachsen verboten. Zum anderen stellt für mich die Jagd mit Ködern aus Plastik, Holz, Metall oder Silikon die fairere, weil mehr Kenntnisse und Geschick erfordernde, Variante dar.

In dieser Artikelserie zum Thema Spinnangeln auf Forelle sind bisher folgende Artikel erschienen:

Teil 1: Wie ich das Forellenangeln am Fluss erlernte und warum du das auch lernen kannst.

Teil 2: Über die Anatomie, das Verhalten und die Ernährung der Forelle

Teil 3: Der Fluss als Lebensraum der Forelle und wie du lernst, ihn zu lesen

Teil 4: Alles über Kunstköder, Taktik am Fluss und wie du Forellen sicher landest

Ich gehe davon aus, dass Ihr mit Watausrüstung im Fluss steht oder euch direkt an einem flachen Ufer befindet, wo Ihr ohne große Behinderung durch Büsche und Bäume auswerfen könnt. Wenn Forellen in der Strömung oder im Strömungsschatten stehen, dann in der Regel mit dem Maul flussaufwärts gerichtet. So warten sie auf vorbei treibende Beute, kleine Fische etwa, die die Strömung unterschätzt haben und von ihr mitgerissen werden. Als Spinnfischer waten wir deswegen in der Regel flussaufwärts und werfen auch flussaufwärts unsere Köder aus, um sie flussabwärts wieder einzuholen. Dabei ist zu beachten, dass die Einholgeschwindigkeit von Spinner, Wobbler und Co. größer sein muss als die Fließgeschwindigkeit des Gewässers. Sonst können die Kunstköder ihre typische Laufcharakteristik nicht entfalten.

Forellenangeln mit Spinner

Am einfachsten zu handhaben sind die so genannten Spinner. Das sind Kunstköder aus Metall. Charakteristisches Merkmal ist ein um einen Metallstift rotierendes Metallblatt, das Spinnerblatt. Am unteren Ende des Metallstifts befinden sich Wurfgewicht, Abstandskugeln und eine Öse, an welcher ein Drillingshaken befestigt ist. Das obere Ende des Metallstifts ist ebenso zu einer Öse gebogen, die zum Einhängen des Spinners an das Vorfach dient. Ich empfehle, Spinner immer mit kleinen Wirbeln zu befestigen. Der Wirbel nimmt die Rotation des Spinners auf und verhindert ein Verdrillen der Schnur.

Spinner erregen die Aufmerksamkeit von Salmoniden und anderen Fischen zum einen durch ihr metallisches Glitzern oder bunte Muster und Farben. Zudem erzeugt das rotierende Spinnerblatt Geräusche und Schwingungen unter Wasser, die Forellen neugierig machen.

Spinner gibt es in unterschiedlichen Größen und Farben. In unseren Breiten ist Größe 1 die kleinste Variante während Größe 5 schon ein richtig großes Gerät ist. Für Forellen eignen sich am besten Spinner der Größe 3. Klassische Farben sind Gold und Silber. Oft ist das Blatt mit roten oder schwarzen Punkten verziert. Es gibt aber auch exotischere Farben und Muster, zum Beispiel Regenbogenmusterungen oder schwarze Blätter mit Fliegensymbolen darauf. Ich konnte bisher nicht feststellen, dass solche Muster besseren Fangerfolg garantierten. Alle größeren Bachforellen habe ich mit goldenen oder silbernen Spinnern, rot oder schwarz gepunktet, überlistet.

Auch eine weitere These, die einem in der Fachliteratur oder in Angelmagazinen regelmäßig begegnet, kann ich nicht bestätigen: es heißt, nur junge, unerfahrene Forellen beißen auf Spinner. Meine größten Exemplare habe ich jeweils mit Spinnern der Größe 3 gefangen.

Spinner lassen sich vergleichsweise einfach handhaben. Aufgrund Ihres Wurfgewichts eignen sie sich für weites Auswerfen. Sie sinken rasch auf den Grund des Flusses. Um das Spinnerblatt sofort in Rotation zu versetzen, zieht man die Leine direkt nach dem Eintauchen des Spinners straff und holt lose auf dem Wasser liegende Leine schnell ein, bis man über die gestraffte Schnur Kontakt zum Spinner hat. Sofort holt man den Spinner nun mit zügigen, gleichmäßigen Kurbelbewegungen ein. Achte darauf, dass die Schnur stets straff gespannt ist und du dadurch permanent Kontakt zum Spinner hältst. Da wir mit sehr leichtem Gerät auf Forelle fischen, spürt man die Rotationsbewegung des Spinners bis ins Handgelenk.

Entscheidend beim Angeln mit Spinner ist, dass die Einholgeschwindigkeit hoch genug ist, um das Spinnerblatt in schnelle Rotation zu versetzen. Da wir den größten Teil unserer Würfe flussaufwärts ausführen und den Spinner demnach flussabwärts einholen, müssen wir also die Fließgeschwindigkeit des Wassers noch zusätzlich beachten und entsprechend schneller kurbeln, als wenn wir den Spinner entgegen der Strömung einholen. Es gibt vergleichsweise wenig Variationsmöglichkeiten beim Einholen eines Spinners. Das gleichmäßige Tempo beim Einholen kannst du von Zeit zu Zeit etwas variieren. Dabei verlangsamst du die Kurbelbewegung für ein paar Umdrehungen, ohne komplett zum Stillstand zu kommen. Anschließend beschleunigst du wieder. Dies ist oft der Moment, in dem sich so genannte Nachläufer, also Forellen, die dem Köder folgen ohne ihn zu probieren, doch noch zum Biss entscheiden.

Den Biss der Forelle spürst du in der Regel sofort. Der Spinner bewegt sich fix auf sie zu oder an ihr vorbei und lässt ihr nur wenig Zeit für die Entscheidung zuzuschnappen oder nicht. Falls ja, spürst du einen Ruck in der Rute und der gleichmäßige Lauf des Spinners ist blitzartig beendet. Der Drill beginnt…

Forellenangeln Mit Wobbler

Ebenso sehr erfolgreich bei der Jagd nach dem flinken Silber unserer Bäche und Flüsse sind kleine Wobbler. Wobbler sind Kunstköder aus Holz oder Hartplastik in fischähnlicher Gestalt. Das besondere an ihnen ist ihre am Kopf befindliche Tauchschaufel. Deren Größe und Anstellwinkel zur Längsachse des Wobblers bestimmen die Bewegungscharakteristik und die Tauchtiefe. Wobbler gibt es in den unterschiedlichsten Größen; mit 15cm bis 20cm großen Exemplaren lassen sich zum Beispiel kapitale Hechte fangen. Für das Spinnangeln auf Bach- und Regenbogenforelle eignen sich kleine Wobbler von drei bis sechs Zentimeter Länge.

Wie bei allen Kunstködern gilt, dass es unzählig viele Varianten an Formen, Farben und Zusatzmerkmalen im Angelgeschäft oder Onlineshop zu kaufen gibt. Sicher ist es ratsam, eine kleine Auswahl verschiedener Wobbler am Fluss dabei zu haben. Der Großteil des Angebotes scheint aber weniger den Fisch sondern eher den Angler ködern zu sollen.

Entscheidend für den Einsatz eines Wobblers auf Forelle sind die Strömungsverhältnisse im Gewässer. In schnell fließenden Abschnitten setzt man schlanke Wobbler mit kleiner Tauchschaufel ein, die einen minimalen Anstellwinkel zur Längsachse des Wobblers aufweist. Diese Wobbler bleiben nah an der Wasseroberfläche und entfalten bei hoher Geschwindigkeit ihre verführerischen Laufeigenschaften. Fließt das Wasser eher gemäßigt bis ruhig und ohne große Strudel und Stromschnellen, können schlanke Wobbler mit größeren Tauchschaufeln sich am besten entfalten. Durch die größere Tauchschaufel, die auch in etwas steilerem Winkel angestellt sein kann, entfalten diese Modelle ihre Aktion bereits bei geringer Geschwindigkeit vollständig. Bei äußerst geringen Fließgeschwindigkeiten oder still stehendem Wasser eignen sich bauchige kleine Wobbler, die entweder an der Oberfläche schwimmen oder im Mittelwasser schweben. Oft haben diese besonders ausgeprägte Tauchschaufeln, gern mit besonders großen Anstellwinkeln. Damit können sie in tiefe Löcher und Strukturen hinabtauchen, wo große Bachforellen lauern. Soviel zur Theorie der tief tauchenden Wobbler. Ich habe bis heute (Stand: September 2013) mit keinem tief tauchenden Dickbauchwobbler eine große Forelle überlisten können.

Wichtig beim Einsatz von Wobblern ist, sich ein Bild über das Laufverhalten des Wobblers unter den gegebenen Umständen zu verschaffen. Wenn du gerade erst beginnst, mit Wobblern auf Forellenjagd zu gehen, dann beginne erst einmal mit „Trockenübungen“, in dem du den Wobbler so wirfst, dass du seinen Lauf beim Einholen gut beobachten kannst. So findest du heraus, welche Kurbelgeschwindigkeit die beste Aktion erzeugt, wie der Wobbler auf Aktionen deiner Rutenspitze reagiert und wie sein Schwimm- oder Tauchvermögen ist.

Tipp 1: Wenn du beim Einholen deines Wobblers einen Nachläufer bemerkst oder gar einen Biss oder Bissversuch, dann lohnt es sich immer, für den nächsten Wurf den Wobbler zu wechseln.

Tipp: Bei uns in Sachsen darf man nur einen Drillingshaken pro Wobbler oder Köder generell verwenden. Ich halte das für eine sinnvolle Regelung, da die Verletzungsgefahr für den Fisch deutlich reduziert wird. Bis vor Kurzem habe ich von meinen Wobblern immer den Bauchdrilling entfernt, bis ich neulich auf den Tipp stieß, statt dessen den Schwanzdrilling zu entfernen. Der Bauchdrilling funktioniert beim Wobbler ähnlich wie der Kiel eines Segelschiffs und sorgt damit für stabilen und gleichmäßigen Lauf des Wobblers. Außerdem haken Fische, die von unten oder der Seite angreifen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit am Bauchdrilling. Ich werde diese These bei meinen nächsten Angelausflügen mal versuchen zu überprüfen.

Forellen angeln mit Gummifisch, Shad & Twister.

Noch relativ neu in unseren Breiten ist das Angeln mit Gummifischen auf Forellen. Die Besonderheiten des Angelns mit Shad, Twister & Co. habe ich in diesem Artikel im Detail vorgestellt. Ich selbst habe Gummiköder vor nicht allzu langer Zeit entdeckt und übe mich noch im Umgang mit ihnen. Bisher konnte ich höchstens eine handvoll Forellen von meinen Shads überzeugen. Doch ich bin mir ziemlich sicher, dass sich meine Ausbeute deutlich verbessern wird, wenn ich die Feinheiten der Köderführung perfektioniert habe.

Gummifische haben für die Jagd auf die scheuen Forellen den Vorteil, dass sie sich auch beim vorsichtigen Anbeißen von der Konsistenz her von allen Kunstködern am ehesten mit echten Lebewesen vergleichen lassen. So entscheidet sich die Forelle eher zum richtig Zubeißen, als wenn sie bereits beim Anknabbern von Hartplastik oder Metall misstrauisch wird.

Ich habe auch das Gefühl, dass sich bestimmte Shads dafür eignen könnten, kapitale Forellen aus tiefen Löchern zu fischen. Im Gegensatz zu Spinnern oder Wobbler sinkt der Gummifisch aufgrund des Bleigewichts des Jighakens nach dem Auswerfen bis auf den Grund. Während man auch so genannte tief tauchende Wobbler oft über einer stehenden Forelle hinweg tanzen lässt, ohne dass die sich dafür interessiert, sollte sie einen über den Grund taumelnden Gummifisch interessanter finden. Soviel zu meiner Theorie. Der Praxisbeweis steht noch aus, wird euch aber selbstverständlich hier bei ANGELNaktuell.de nachgereicht, sobald er erbracht ist.

Spinnfischen auf Forelle mit Fliege oder Streamer

Auch beim Spinnfischen kann man sich den Appetit der Forelle auf Wasser- und Fluginsekten jeder Art zu Nutze machen. Künstliche Fliegen, Streamer und Nachbildungen anderer Insekten lassen sich nicht nur mit der Fliegenrute fischen. Auch eine herkömmliche Spinnrute kann dafür herhalten, einen solchen Köder Richtung Forelle treiben zu lassen.

Natürlich sind damit keine eleganten Flugmuster simulierbar. Aber falls Spinner, Wobbler oder Gummifisch komplett erfolglos bleiben, probiere ich als letzten Trick des Tages von Zeit zu Zeit, einen Streamer langsam flussabwärts treiben zu lassen. Vermute ich an einer bestimmten Position eine Forelle lauern, lasse ich den Streamer genau in diese Richtung treiben, um ihn bestenfalls in ihrem Sichtfeld zu stoppen und an Ort und Stelle tänzeln zu lassen.

Ähnlich wie beim Angeln mit Gummifischen fehlt mir für das Angeln mit künstlichen Fliegen noch ein wenig die Übung. Erste Erfolge konnte ich bereits erzielen. Ich bin aber noch nicht soweit, euch die Angelei mit Fliegen und Spinnrute als echten Geheimtipp zu verkaufen.

Taktik beim Forellenfischen

In einem vorherigen Artikel dieser Artikelserie über das Spinnfischen auf Forelle haben wir untersucht, welche Sinnesorgane die Forelle besitzt und wie sie damit ihre Umwelt wahrnimmt. Wir haben dabei gelernt, dass sie sowohl ausgezeichnet sieht als auch ein hervorragendes Gehör besitzt. Das macht sie nicht nur zu einer erfolgreichen Jägerin sondern warnt sie auch frühzeitig vor Feinden, zum Beispiel unvorsichtigen Anglern.

Um erfolgreich Forellen zu angeln müssen wir uns extrem vorsichtig am Gewässer bewegen. Kein lautes Plätschern im Wasser, keine umgestoßenen Steine, möglichst keine knackenden Zweige und so weiter. Die wesentliche Taktik beim Spinnfischen am Fluss ist also, sich geräuschlos und so unsichtbar wie möglich entdeckten oder vermuteten Forellen zu nähern. Je nach Gegebenheiten und Größe des Flusses kann man sich auf diese Art bis auf wenige Meter an im Wasser stehende Forellen nähern.

Der Kunstköder wird dann flussaufwärts oberhalb des angepeilten Standorts ausgeworfen und in Fließrichtung eingeholt, so dass er die Forelle dicht passiert. Von seinem Standplatz aus fischt man dann durch Variation des Winkels, den der Wurf zur Flusslängsachse aufweist möglichst viele Punkte im Radius von bis zu 180 Grad um sich herum ab. Hat man nach spätestens fünf Würfen an ein und denselben Fleck weder einen Biss gespürt noch Nachläufer beobachtet, ist es an der Zeit, weiter zugehen.

Hierin liegt ein einfaches aber bedeutendes Erfolgsgeheimnis: Der erfolgreiche Spinnfischer „macht Meter“. Vom alten Standplatz aus bewegst du dich drei, vier Meter weiter flussaufwärts. Dann wiederholst du das Auswerfen auf konstante Weite aber über die gesamte Flussbreite verteilt. So fischst du fächerartig den Fluss vor dir systematisch ab. Wenn sich besondere Strukturen vor dir befinden, kannst du dich auch nur auf diese konzentrieren. Weil es so wichtig ist, wiederhole ich es noch einmal: zögere nicht, drei, vier Schritte weiter zugehen, wenn du keinen Fisch findest. Auch wenn die Stelle noch so Forellen trächtig aussieht – beißt kein Fisch und siehst du auch keine Forellen deinem Köder nach schwimmen, dann verlasse den Platz und ziehe weiter.

Nicht ganz so häufig wie den Standort aber doch hin und wieder wechsle ich den Kunstköder. Das ist vor allem dann notwendig, wenn sich über einen Zeitraum von einigen Dutzend Würfen an verschiedene vielversprechende Stellen kein einziger Fisch zeigt oder es ausschließlich Nachläufer aber keine Bisse gibt. Du kannst entweder beim bisherigen Ködertyp (Spinner, Wobbler, Shad) bleiben und Form und Farbe variieren. Oder du wechselst auf einen anderen Ködertyp.

Forellen finden

Wir haben in dieser Artikelserie bereits darüber gesprochen, an welche Orten sich Forellen gern aufhalten, was sie fressen und welche drei Bedingungen erfüllt sein müssen, damit sie überleben können. In diesem Kapitel erfährst du verschiedene Methoden, wie du über diese Erkenntnisse hinaus Forellen in ihren Verstecken aufspüren könnt. Forellen findest du anhand einer Vielzahl von Hinweisen. Dazu gehören:

  • Luftblasen. Blasen, die nicht durch die Strömungsbewegung des Wassers verursacht werden, sind ein starker Hinweis auf eine Forelle. Vor allem, wenn sie wie „zufällig“ an der Wasseroberfläche erscheinen.

  • Augenkontakt. Bei sonnigem Himmel und klarem Wasser kannst du die Forelle oft unmittelbar sehen. Unterstützt wird der Augenkontakt durch das Tragen einer polarisierten Brille. Die Polgläser verstärken den Lichtdurchfall ins Wasser und vermindern Spiegeleffekte an der Wasseroberfläche.

  • Schatten. Man kann sie nicht als echten Augenkontakt bezeichnen. Doch oft hat man das Gefühl, ein Schatten sei gerade durch das Sichtfeld gehuscht. Das Gefühl trügt selten. Tatsächlich handelt es sich dabei oft um Forellen, die blitzschnell unter einem Stein verschwinden oder einer Beute nachjagen.

  • Wellen an der Oberfläche. Steigt eine Forelle an die Wasseroberfläche oder bewegt sich knapp unter ihr, verursacht sie gut sichtbare Wellenmuster.

  • Wasserbewegung allgemein.

Anbiss und Drill einer Forelle

Den Biss einer Forelle auf euren Kunstköder bemerkt ihr sofort. Die Gefahr, ihn zu verpassen, besteht im Gegensatz zu anderen Angelarten und Zielfischen nicht. Da wir sehr leichtes Gerät verwenden, überträgt sich die Wucht des Bisses über die Rute bis direkt ins Handgelenk. Nun heißt es schnell sein. Es ist nur selten nötig, einen richtig kräftigen Anhieb zu setzen, meist reicht ein kurzes Anheben der Rutenspitze aus. In 90 Prozent der Fälle hängt die Forelle durch den gezielten Biss schon mehr oder weniger fest am Haken.

Doch das bedeutet noch lange nicht, dass sie schon sicher in der Pfanne liegt. Forellen sind wahre Kämpfernaturen. Auch kleine Forellen von 20cm können richtig Betrieb machen an unserer Rute. Forellen sind ausgezeichnete Hochspringer. Hier liegt auch ihr Potenzial, sich selbst wieder vom Haken zu befreien. Wenn sie die Möglichkeit bekommen, springen sie aus dem Wasser und drehen und schütteln sich dabei um alle möglichen Achsen. Zu Beginn meiner gezielten Angelei auf Forelle habe ich bestimmt über 60 Prozent aller Bisse verloren, bevor ich sie im Käscher hatte.

Wie vermeidet man aber nun, dass die Forelle den Haken wieder ausspuckt oder sich selbst abhakt? Der wichtigste Trick dabei ist, die Schnur stets straff gespannt zu behalten. Sobald ihr einen Biss bemerkt, nehmt ihr die Rute möglichst steil nach oben. Während die Rutenspitze beim Einholen des Köders normalerweise auf die Wasseroberfläche gerichtet ist, zeigt sie nun fast senkrecht in die Luft. Gleichzeitig wird die Schnur zügig, aber ohne Hektik, eingeholt. Die Bremse muss so eingestellt sein, dass sie Schnur nachgibt, wenn der Widerstand zu groß wird. Zum Spinnfischen auf Forellen sollte die Bremse deiner Rolle so eingestellt sein, dass du beim Ziehen an der Schnur zwar einen deutlichen Widerstand bemerkst, aber dennoch ohne Mühe Schnur von der Rolle ziehen kannst. Im Drill kann es sein, dass diese Einstellung doch zu leicht war. Dreh dann die Bremse ein wenig straffer. Es muss der Forelle aber immer noch möglich sein, Schnur abzuziehen.

Einmal am Haken wird die Forelle versuchen, tiefer ins Wasser, hinein in Höhlen, Löcher, unter Steine oder unter Baumstämme und Wurzeln zu fliehen. Das müsst ihr unter allen Umständen vermeiden. Hat sich eine Forelle einmal unter einem Stein verschanzt, könnt ihr sie abschreiben. Behaltet also kühlen Kopf und achtet darauf, dass ihr der Forelle die Richtung vorgebt, in die ihr sie bugsieren wollt.

Forellen Richtig landen

Das schwierigste Manöver ist das Landen der Forelle. Aus Gründen der waidgerechten Behandlung der Fische sollten Forellen am besten noch im Wasser mit nasser Hand gefasst werden. Vermeide bitte, die armen Fische am Drilling zappelnd erst einen Meter zu dir ans Ufer hochzuziehen. Beim Zappeln am Haken besteht sehr hohe Verletzungsgefahr. Falls du nicht ohnehin im Wasser oder auf Wasserspiegelhöhe stehst, begib dich nach Möglichkeit bei einem Biss am Haken hinunter zum Wasser, anstatt die Forelle durch die Luft zu bugsieren.

Im Fischereischeinlehrgang habe ich gelernt, dass das Landen des Fisches mittels Käscher am schonendsten wäre, weil der Fisch dann nicht mit der Hand angefasst werden müsste und dadurch die Schleimschicht nicht verletzt würde. Mittlerweile zweifle ich etwas daran, ob das wirklich die schonendste Methode ist. Die Maschen des Käschers schneiden sichtbar in die Schleimschicht der Forellen ein. Außerdem übertragen Käscher möglicher Weise am intensivsten Krankheiten von Gewässer zu Gewässer.

Richtig ist, dass das Landen mit einem Käscher verhindern kann, dass eine Forelle im letzten Moment doch noch abspringt. Es gibt für’s Spinnangeln spezielle Watkäscher. Diese sind klein und leicht und lassen sich an der Wathose oder der Weste mittels Karabinerhaken befestigen. So stören sie kaum und sind dennoch jederzeit griffbereit, wenn eine Forelle gebissen hat. Den Einsatz des Käschers zum Landen empfehle ich also ab sofort nicht aus waidmännischen Gesichtspunkten, sondern für den Fall, dass du eine maßige Forelle für den Eigengebrauch entnehmen möchtest. Denn zappelt die Forelle einmal im Netz, ist eine Flucht so gut wie ausgeschlossen. Anderenfalls kann sie auch auf den letzten Zentimetern bis zum händischen Zugriff noch abspringen und in den Fluten verschwinden.

Wenn ihr die Forelle bis auf Reichweite heran gedrillt habt, schiebt ihr mit der freien Hand den Käscher unter Wasser unter die Forelle. Nun hebt ihr sie vorsichtig aus dem Wasser. Achtet dabei darauf, dass sich die Rutenspitze und die Schnur möglichst nicht im Netz verfangen. Hakt die Forelle nun so schnell wie möglich ab, sonst verheddern sich die freien Spitzen des Drillingshakens definitiv im Maschennetz des Käschers. Wichtig dabei: bevor ihr den Fisch anfasst, haltet eure Hände ins Wasser.

Noch ein Wort zum Zurücksetzen: ich sehe am Wasser immer wieder, wie Angler jeden Typs Fische immer wieder achtlos abhaken und in hohem Bogen zurück in den Fluss werfen. Das gibt mir jedes Mal einen Stich ins Herz. Als Angler sollten wir unserer „Beute“ mehr Respekt entgegenbringen. Hake schnell aber mit der nötigen Ruhe ab, um den Fisch nicht beim Abhaken noch unnötig zu verletzen. Setze ihn dann bitte sanft ins Wasser zurück und halte ihn mit deiner Hand solange fest, bis er wieder zu Kräften gekommen ist und die Orientierung gefunden hat. Sobald er Anstalten macht, sich loszureißen, entlasse ihn in die Freiheit.

Die richtige Einstellung beim Forellen Fischen

Eine der am meisten unterschätzten aber aus meiner Sicht wichtigsten Lehren beim Forellenfischen ist, mit der richtigen Einstellung auf die Jagd zu gehen. Der erfolgreiche Forellenangler benötigt einen wachen Geist, ein hohes Konzentrationsvermögen und die nötige Portion Zuversicht in sein eigenes Tun und Handeln. Beobachte den Fluss und deine Umgebung voller Achtsamkeit. Achte auf die Details im und am Wasser. Vermerke dir deine Fänge sorgfältig und halte dabei örtliche Gegebenheiten ebenso fest, wie Wetter, Tages- und Jahreszeit. Mit der Zeit erarbeitest du dir dein eigenes profundes Wissen darüber, wie du Forellen in deinen Hausgewässern am besten fängst.

Konzentration ist der Schlüssel zum Erfolg. Deswegen hat das Spinnfischen einen meditativen Charakter. Wenn dein Geist unruhig wird und beginnt umher zu wandern, dann werden deine Aktionen und deine Beobachtungen nachlässiger. Deine Zielauswahl wird zufälliger, deine Würfe werden unpräziser, das Einholen und damit deine Köderführung werden unsauberer. All das führt dazu, dass abgelenkte und nicht konzentrierte Fischer weniger oder keinen Erfolg haben.

Eine große Rolle spielt auch Organisation. Es zeugt von deiner Ernsthaftigkeit und deinem fokussierten Vorgehen, wenn du deinen Angeltrip sorgfältig vorbereitest. Das bedeutet nicht, dass jedes Mal stundenlange Vorbereitung vonnöten ist. Aber ein einmal durchdachtes und dann sauber ausgeführtes System von Ordnung und Organisation deiner Ausrüstung hilft dabei, keine Zeit am Wasser zu verschwenden, keine Fische auf der Suche nach Abhakzange oder Maßband zu verlieren und die volle Aufmerksamkeit auf das Fischen zu richten.

Entspannung spielt nicht minder eine Rolle. Das mag nach den beiden obigen Absätzen vielleicht etwas konträr anmuten. Doch Ruhe und Entspannung sind auch beim Spinnfischen wichtige Elemente. Schließlich gehen wir doch angeln, weil wir uns vom alltäglichen Stress, der eingeschliffenen Routine und den Anforderungen, die an uns gestellt werden, entfernen können. Forellenflüsse sind oftmals in malerischer Umgebung zu finden. Grüne Wiesen und Wälder, Hügel und Gebirgsketten am Horizont, das Rauschen des Flusses, der den endlosen Kreislauf aller Dinge so trefflich versinnbildlicht. Um in diese Kulisse so richtig eintauchen zu können, ist die richtige Einstellung nötig. Wirf den Alltag ab, lass Sorgen und Probleme mit Arbeit, Familie oder Umfeld zuhause, wenn zum Fluss gehst. Lasse dich ein auf Stille, den Takt der Natur, den Gesang der Vögel , das Surren und Summen der Insekten und das Rauschen der Gräser und Bäume im Wind.

Zusammenfassung

In diesem vierten Artikel meiner Artikelserie über das Spinnangeln auf Forellen haben wir die verschiedenen Spinnköder und ihre Besonderheiten kennengelernt. Außerdem hast du etwas zur Taktik am Fluss lesen können und wir haben erarbeitet, wie Forellen zu finden, zu drillen und zu landen sind. Und du hast erfahren, dass nicht Material und Jahrzehnte lange Erfahrung sondern die richtige innere Einstellung für die erfolgreiche Jagd nach den Goldbarren unserer Flüsse entscheidend ist. Vertraue auf uralte Instinkte, die in dir schlummern. Sei mit dem ganzen Herzen bei der Sache und begegne der Natur stets mit Dankbarkeit, Respekt und Ehrfurcht. Damit bin ich am vorläufigen Ende meiner kleinen Artikelserie angekommen. Ich hoffe, ich konnte dir ein paar wertvolle Einblicke in die Jagd auf die Forelle in ihrem natürlichen Umfeld geben. Wenn der eine oder andere hilfreiche Tipp dabei war, dann zeige deinen Freunden und Anglerkollegen mit einem Klick auf den Facebook, Twitter oder Googleplus Button, dass sie auf ANGELNaktuell.de spannende Infos zum Thema Spinnageln auf Forelle finden. Gern kannst du diesen Artikel auch von deiner eigenen Webseite oder deinem Blog verlinken, um deinen Besuchern diese Tipps nicht vorzuenthalten.

In diesem Sinne Petri Heil! und Happy Fishing!

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